Fragen und Antworten

Rechtliche Aspekte

Wann ist meine Patientenverfügung rechtsgültig?

Die Patientenverfügung ist rechtsgültig, wenn sie Angaben zur Ihrer Identität (Name, Geburtsdatum) enthält, mit dem Erstellungsdatum versehen und eigenhändig unterschrieben ist.

Muss ich die Patientenverfügung rechtlich prüfen lassen?

Nein, Ihre Patientenverfügung in der Schweiz braucht keine rechtliche Überprüfung, sofern sie den formellen Anforderungen genügt (Urteilsfähigkeit, Angaben zur Identität, Ort und Datum der Errichtung, eigenhändige Unterschrift).

Was kann mit einer Patientenverfügung nicht verfügt werden?

  • Die Patientenverfügung ist die Äusserung Ihrer persönlichen (medizinischen) Anordnungen im Falle Ihrer Urteilsunfähigkeit. Es gibt nur wenige Einschränkungen der Verfügungsmöglichkeit im gesetzlichen Rahmen. Trotzdem wird der Arzt oder die Ärztin nur die Massnahmen anwenden, die bei der vorliegenden Krankheit oder Verletzung medizinisch indiziert und sinnvoll sind. Behandlungen, die medizinisch nicht indiziert sind, sondern darüber hinaus einen rechtswidrigen Eingriff darstellen wie etwa Handlungen, die zu einem frühzeitigen Tod führen würden, wird die Ärztin oder der Arzt ablehnen.
  • Palliative Massnahmen hingegen, die geeignet sind, Schmerzen und Leiden zu lindern, können Sie hingegen nicht ablehnen.

Wann wird der Arzt oder die Ärztin die Patientenverfügung konsultieren?

  • Ein behandelnder Arzt oder eine behandelnde Ärztin muss bei jeder urteilsunfähigen Person abklären, ob diese eine Patientenverfügung erstellt hat. Es ist vorgesehen, dies über die Versichertenkarte Ihrer Krankenkasse zu erfahren.
  • Liegt eine Patientenverfügung vor, ist das medizinische Personal grundsätzlich verpflichtet, danach zu handeln.
  • Solange ein Patient oder eine Patientin sich in irgendeiner Form klar äussern kann, kommt die Patientenverfügung nicht zum Einsatz.

Was geschieht, wenn ich urteilsunfähig bin und keine Patientenverfügung erstellt habe?

  • Neu dürfen Angehörige bei Urteilsunfähigkeit in medizinischen Therapien einwilligen, auch wenn Sie keine Patientenverfügung erstellt und auch sonst niemanden als vertretungsberechtigte Person ernannt haben. In diesem Fall könnten folgende Personen der Reihe nach entscheiden:
    - Die in der Patientenverfügung oder im Vorsorgeauftrag bezeichnete Person
    - Beistand mit Vertretungsrecht in medizinischen Angelegenheiten
    - Ehegatte oder eingetragene Partner(in)
    - Person, die mit dem urteilsunfähigen Patienten, der urteilsunfähigen Patientin einen
      gemeinsamen Haushalt führt
    - Nachkommen
    - Eltern
    - Geschwister
  • Haben Sie keine Angehörigen, entscheidet das Behandlungsteam nach bestem Wissen und Gewissen nach Ihrem mutmasslichen Willen oder in Ihrem wohlverstandenen Interesse.

Was bedeutet es für mich und für Dritte, wenn ich eine vertretungsberechtigte Person einsetze?

Mit dem Nennen einer vertretungsberechtigten Person übernimmt diese stellvertretend die Entscheidungen bezüglich der zu ergreifenden medizinischen Massnahmen, wenn Sie selber nicht mehr urteilsfähig sind. Damit diese Person die Aufgabe wahrnehmen kann, ist sie berechtigt, sich über den Zustand, Ihre Situation sowie über die Behandlung und deren Risiken informieren zu lassen. Sie entscheidet dann aufgrund der Patientenverfügung und der erhaltenen Informationen, ob Behandlungen durchgeführt oder unterlassen werden sollen. Ist eine Patientenverfügung vorhanden, engagiert sich diese Person dafür, dass Ihr festgehaltener Wille respektiert wird.

Inhalt der Patientenverfügung SRK

Warum enthält die Patientenverfügung SRK Informationen zur persönlichen Werthaltung?

Die Wertehaltung unterstützt die Anordnungen in der Patientenverfügung. Es ist für Ärzte und Ärztinnen, vertretungsberechtigte Person oder weitere Angehörige hilfreich, wenn es um Entscheidungen für Situationen geht, die in der Patientenverfügung nicht explizit festgehalten sind. Die persönlichen Werte können den Ärztinnen und Ärzten, oder auch anderen an der Entscheidung beteiligten Personen als Wegweiser dienen.

Was ist, wenn ich nur schreibe, dass ich keine lebensverlängernden Massnahmen möchte?

Für eine Ärztin oder einen Arzt ist diese Aussage in der konkreten Situation sehr schwierig zu interpretieren, weil sehr viele und sehr unterschiedliche Dinge damit gemeint sein können.

Kann ich die Patientenverfügung SRK auch handschriftlich ausfüllen?

Ja, Sie können die Patientenverfügung SRK auch handschriftlich ausfüllen. Achten Sie dabei darauf, dass Ihre handschriftlich ausgefüllte Patientenverfügung gut lesbar ist.

Wo kann ich mich bei der Erstellung der Patientenverfügung beraten lassen?

Gerne geben wir Ihnen unter der Nummer 0800 99 88 44 die nächstmögliche Beratungsstelle eines Rotkreuz-Kantonalverbandes bekannt.

Hinterlegung der Patientenverfügung SRK

Wie hinterlege ich meine Patientenverfügung SRK?

  • Sie können die Patientenverfügung bei der Hinterlegungsstelle des SRK hinterlegen. Die Patientenverfügung ist rund um die Uhr und auch an Feiertagen abrufbar.
  • Sie können die Patientenverfügung aber auch an einer anderen Hinterlegungsstelle hinterlegen; Adressen dazu finden Sie im Internet.
  • Sie können Ihre Patientenverfügung der vertretungsberechtigten Person übergeben.
  • Sie können Ihre Patientenverfügung aber auch immer auf sich tragen.
  • Sie können künftig das Vorhandensein einer Patientenverfügung sowie deren Hinterlegungsort auf der Versichertenkarte eintragen lassen

Wer hat Zugriff auf meine beim SRK hinterlegte Patientenverfügung SRK?

Grundsätzlich haben nur Sie Zugriff auf Ihre Patientenverfügung SRK. Für die Übermittlung der Patientenverfügung an das medizinische Fachpersonal ist ein kleines Team zuständig. Dieses untersteht strengen datenschutzrechtlichen Bestimmungen.

Wie oft soll ich meine Patientenverfügung erneuern und wie mache ich das?

Patientenverfügungen sollten alle zwei Jahre überdacht und allenfalls geändert werden. Wenn Sie Ihre Patientenverfügung beim SRK hinterlegt haben, erhalten Sie periodisch eine Erinnerung, die Patientenverfügung zu überprüfen, ob sie noch Ihrem Willen entspricht und können sie dann entsprechend anpassen/aktualisieren. Aktualisierungen/Änderungen müssen wieder datiert und eigenhändig unterschrieben werden.

Wie kann ich eine Patientenverfügung widerrufen?

Grundsätzlich können Sie Ihre Patientenverfügung auf folgende Arten widerrufen:

  • Durch die schriftliche, datierte und eigenhändige Widerrufserklärung. Falls die Patientenverfügung bei uns hinterlegt ist, stellen Sie uns bitte die widerrufene Patientenverfügung zu, damit wir das entsprechend vermerken können.
  • Sie können aber auch eine neue Patientenverfügung erstellen. Dann gilt die alte Version nicht mehr.
  • Falls Sie Ihre Patientenverfügung privat bei Ihnen zu Hause hinterlegt haben, reicht es, diese einfach zu vernichten.
  • Solange Sie urteilsfähig sind, können Sie im Rahmen einer Behandlung selbstverständlich Ihre Anordnung jederzeit auch mündlich ändern.

Wie kann ich einen Eintrag auf der Versichertenkarte machen lassen?

Sie können künftig das Vorhandensein einer Patientenverfügung sowie dessen Hinterlegungsort auf der Versichertenkarte Ihrer Krankenkasse eintragen lassen. Fragen Sie Ihren Hausarzt, Ihre Hausärztin.

Diverses

Was wäre sonst noch gut zu regeln für den Fall einer Urteilsunfähigkeit?

  • Neben der Patientenverfügung können Sie auch für rechtliche oder finanzielle Belange mit einem sogenannten Vorsorgeauftrag vorsorgen. Darin können Sie Personen benennen, die Sie im Falle einer Urteilsunfähigkeit in rechtlichen und / oder finanziellen Dingen vertreten.
  • Bestattungsverfügung: Mit dieser können Sie festhalten, was Ihnen bezüglich Ihrer Bestattung wichtig ist und wie Sie sich den Ablauf Ihrer Bestattung vorstellen.